Georg Kramann

 Georg Kramann

Lebenslauf Rektor Georg Kramann
* 28.08.1904 + 25.10.1984

verfasst am 27.11.1985 von seiner Tochter Dr. Annette Bremenkamp-Feldmann geb. Kramann

  • Georg Kramann wurde am 28.08.1904 in Hamm/Westf. als zweitältestes Kind und als ältester Sohn seines Vaters Georg Kramann aus Hamm und seiner Mutter Anna Eickolt aus Walstedde geboren. Sein Vater war Zigarrenmacher und hatte in Hamm an der Oststraße ein Zigarrengeschäft.
  • Als Junge musste er schon früh Verantwortung tragen für seine sieben kleineren Geschwister; er half, Zigarren zu machen und gab schon als Kind Nachhilfeunterricht. Im Steckrübenwinter des 1. Weltkrieges hungerte die Familie, wie so viele andere auch; per Bollerwagen schafften die Geschwister hin und wieder Lebensmittel vom elterlichen Hof der Mutter in Walstedde herbei.
  • Nach der Schulzeit besuchte Georg das Lehrerseminar in Hamm, fand aber nach seinem Examen zunächst keine Anstellung als Lehrer. So arbeitete er einige Jahre auf der Zeche Wedelin in Hamm und bei einer Baufirma, die Gleisanlagen baute, und bei der er in eine sehr verantwortliche Position hochstieg. Während dieser Zeit gab er sehr viel Nachhilfeunterricht und unterstützte tatkräftig seine Familie. Er las sehr viel und kaufte sich nach und nach eine große Bibliothek mit Werken der Weltliteratur. Er schrieb selbst, vor allem Gedichte, die auch mehrfach in angesehenen Zeitschriften veröffentlicht wurden. Mit Romano Guardini stand er einige Zeit lang in Briefkontakt.
  • Am 1.4.1934 bekam er endlich seine erste Stelle als Lehrer in Nordwalde. Er unterrichtete zunächst die Erstklässler, später die Jungen der oberen Klassen in dem damals neu errichteten Schulgebäude, in dem heute "sein" Heimatmuseum untergebracht ist. 1937 heiratete er die Gewerbeoberlehrerin Ida Gerke, deren Vater, Caspar Gerke, lange Jahre Lehrer im Scheddebrock gewesen war und deren Mutter Anna Dichtler vom Hof Dichtler stammte. Seine Schwägerin war Maria Gerke, die ebenfalls ca. 30 Jahre lang in Nordwalde Lehrerin war. Georg Kramann und Ida Gerke hatten zwei Kinder, Annette und Georg.
  • In der Nazizeit leitete Georg Kramann die Hitler-Jugend. Viele besorgte Eltern hatten ihn dringend gebeten, sich für diese Position zur Verfügung zu stellen, damit nicht irgendein fanatischer Hitler-Anhänger Einfluss auf die jungen Leute bekäme. Geprägt von wahrhaft christlichen Grundsätzen hat er die Erziehung der Jugend in dieser Stellung und in dieser schwierigen Zeit übernommen.
  • Der Kriegsdienst unterbrach seine Tätigkeit als Lehrer und Erzieher. Georg Kramann war als Soldat in Russland und hatte bei der Kapitulation als einer der letzten die Elbe überquert. Dadurch war er der russischen Kriegsgefangenschaft entronnen und geriet in Gefangenschaft der Amerikaner.
  • Nach seiner Entlassung wurde er bald wieder Lehrer der Schule in Nordwalde. 1948 wurde er zum Rektor ernannt. Groß ist die Schar der jungen Menschen, die er in den 35 Jahren seiner beruflichen Tätigkeit zu tüchtigen, gebildeten und christlich orientierten Menschen machte. Am Bau der Kardinal-von-Galen-Hauptschule war er gestaltend und bestimmend beteiligt. 1955 erlebte er den Einzug in diese Schule an der Amtmann-Daniel-Straße. 1969 wurde er dort in den Ruhestand versetzt.
  • Seine Liebe hatte schon immer der Literatur und der Kunst gehört. Er hatte selber eine Künstlernatur! Er schrieb Gedichte und kleine heimatkundliche Hefte. Er spielte Theater in einer Laientheatergruppe und hatte als "Jedermann" beachtete Erfolge. Er organisierte stimmungsvolle Weihnachtsfeiern, trat mit seinem Schülerchor auf, mit dem er vor allem alte Volksweisen und plattdeutsche Lieder sang. Auch rief er einen öffentlichen Singekreis ins Leben. Er hatte sich selbst das Geige- und das Klavierspielen beigebracht. Anläßlich der 800-Jahr-Feier Nordwaldes im Jahre 1951 organisierte er mit anderen eine fantastische Festwoche, deren Krönung "Dornröschens Hochzeitszug" war, in dem er alle alten Traditionen Nordwaldes in einer faszinierenden künstlerischen Bilderreihe lebendig machte.
  • Er hielt engagierte Reden über alle möglichen interessanten Themen zur Weiterbildung der Bevölkerung Nordwaldes, weckte den "Kiepenkerl" anläßlich einiger Feierstunden wieder zum Leben und sprach als Mitglied des Heimatvereins an manchem Herdfeuer über heimatgeschichtliche Themen. Er machte Ausstellungen zum Thema "Das gute Jugendbuch" und besuchte Fortbildungsveranstaltungen, um seinen Schülern handwerkliche Traditionen weiterzugeben, wie zum Beispiel Arbeiten mit Ton, Holz und Metall.
  • Schon als junger Lehrer hatte er es verstanden, "seine" Schüler für die Heimatgeschichte zu interessieren. So brachten viele Kinder die ersten alten Dinge mit in die Schule, oft mit der Bemerkung: "Mama hat gesagt, das könntest Du behalten!" So sammelte sich nach und nach eine Menge alter "Schätze" an, die nur deswegen nicht verloren gingen, weil er schon ganz früh das Interesse und das Bewusstsein an der alten Kultur und an den oft als wertlos geltenden alten Dingen des täglichen Lebens wecken konnte.
  • Bis ins hohe Alter hinein war er oft nachmittags mit dem Rad oder dem Auto unterwegs und besuchte die Bauern, die Kötter und die Bürger von Nordwalde. Er kannte sie alle, wusste um die Vergangenheit der Familien und der Höfe und sammelte so immer mehr Wissen über die Geschichte der Heimat. Er studierte in alten Urkunden, saß mit den Leuten zusammen und ließ sich erzählen, notierte alles im Geiste und hielt es zu Hause dann schriftlich fest. Fast regelmäßig fuhr er einmal in der Woche nach Münster ins Staatsarchiv, ins Landesmuseum und zum Landeskonservator. Er war weit über die Grenzen der Gemeinde Nordwalde als engagierter Heimatfreund bekannt und wegen seines reichen Wissens hochgeschätzt.
  • In den Jahrzehnten seines fruchtbaren Wirkens für Nordwalde trug Georg Kramann ungeheure Mengen an wertvollen, unersätzlichen und unvergänglichen Dingen zusammen, die ohne ihn zum größten Teil sicher verloren gegangen wären. Sein tief fundiertes Wissen um die Zusammenhänge, sein geschichtliches Bewusstsein, sein sicherer Geschmack und seine enorme Schaffenskraft halfen ihm bei der Errichtung des Nordwalder Heimatmuseums, das sich zunächst auf kleinerem Raum befand, nämlich in der alten Scheddebrocker Schule.
  • Im Jahre 1979 zog er mit den heimatkundlichen Schätzen um in das alte Schulgebäude an der Kirche. Mit einigen unermüdlichen Helfern stellte er dort seine Sammlungen aus, restaurierte vieles selbst, ordnete sein großes Archiv und erreichte durch sein Engagement, dass immer mehr wertvolle Zeugnisse Nordwalder Heimatgeschichte und Nordwalder Künstler von den interessierten Bürgern gespendet oder als Leihgaben zur Verfügung gestellt wurden. Mit großer Begeisterung und Liebe gab er regelmäßige Führungen durch "sein" Museum.
  • Was findet sich nicht alles im Heimatmuseum? Von der Vor- und Frühgeschichte bis zur jüngsten Vergangenheit, viele Dokumente, Urkunden, Möbel, Porzellan, Silber, Kunstgegenstände, bäuerliches Handwerkszeug und Fotos aus vergangenen Tagen. Und nicht zu vergessen Erinnerungsstücke der "neuen Nordwalder" aus der alten Heimat, die Georg Kramann auch in seinem Heimatmuseum zu Ehren kommen ließ.
    Anläßlich seines 80. Geburtstages gab er den ersten Band seines Werkes "Nordwalde - Beiträge zur Heimatgeschichte" heraus. Er hatte noch Stoff für zwei weitere Bände zusammengestellt, die vorgesehen waren. Und er hätte noch so viel Stoff für so viele Bücher gehabt!
  • Aber der Tod nahm ihm die Feder aus der Hand, und sein Wissen kann nur noch in seinen Werken, seiner Familie und seinen Freunden und Mitarbeitern weiterleben.
  • Am 25.10.1984 starb Georg Kramann nach schwerer Krankheit, kurz nach Vollendung seines 80. Lebensjahres in Moorlage/Emsbüren im Schoße seiner Familie. Viele trauern um ihn, besonders seine 2 Kinder, Annette und Georg und seine zwei Enkelkinder Jens-Peter und Anne, die er von ganzem Herzen liebte und die beinahe im Nordwalder Heimatmuseum groß geworden sind.


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